Zwischen Aktivismus und Ökokitsch – ‚Lautlos im Weltraum‛ mit Douglas Trumbull (1972)

Noch mehr Glaskuppeln! Dient die ikonische Gebäudeform in der dystopischen Science Fiction oft als Gefängnis totalitärer Kontrollgesellschaften (siehe Logan’s Run), so schließt Douglas Trumbull in seinem 1972 erschienenen Film Lautlos im Weltraum an eine wesentlich ältere Tradition an. Seine Kuppeln sind wieder Gewächshäuser wie im viktorianischen England, in denen die Pflanzenpracht ferner Länder bewahrt werden soll, doch benötigen sie keinen festen Baugrund mehr, sondern schweben als Teil eines nur schwach bemannten Raumschiffs durch das leere All. Im England des 19. Jahrhunderts waren Gewächshäuser noch notwendig, um die Pflanzen aus den weit verteilten Kolonien im feuchtkalten englischen Klima am Leben zu halten. Das Glashaus wurde zum Sinnbild kolonialer Architektur, in dem bald nicht nur Pflanzen ausgestellt wurden. Bei Trumbull hingegen wird gerade diese imperiale Lebensweise, die Monumenten wie dem Londoner Crystal Palace als Grundlage diente, zum Gegenstand der Kritik. Der Raubbau an der Erde hat den Heimatplaneten schwer geschädigt, weshalb das Raumschiff als Arche für bedrohte Tier- und Pflanzenarten dient – und zur Mahnung an das Publikum, die Belange der frühen Umweltbewegung ernst zu nehmen. Der Originaltitel Silent Running verweist auch recht deutlich auf das einflussreiche Sachbuch Silent Spring der Biologin Rachel Carson (1962), in welchem die verheerenden Folgen von Pestiziden auf Ökosysteme beschrieben werden.

Der Protagonist der Geschichte trägt den sprechenden Namen Freeman Lowell. Der schrullige Gärtner, der sich hingebungsvoll um die Gärten auf dem Raumschiff kümmert, ist wie alle Freigeister ein Außenseiter. Niemand sonst scheint die Mission ernstzunehmen, seine Kollegen vertreiben sich die Zeit mit Go-Kart-Wettrennen und als sie der Auftrag erreicht, die Weltraumkapseln aufzugeben, die Gärten zu sprengen und zur Erde zurückzukehren, muss Freeman eine folgenschwere Entscheidung treffen. Ein Film mit Sprengpotenzial. Wo sonst die Zerstörung der Umwelt höchstens indirekt thematisiert und bedauert wird, übernimmt ein Mensch die Verantwortung für die Verbrechen seiner Spezies, weil er als Einziger den Wert der Natur erkennt, der sich in Zahlen nicht ausdrücken lässt.

Aus heutiger Sicht allerdings erscheint der Film viel eher als Ökokitsch, dem jeglicher Blick für die systemischen Verschränkungen zwischen Mensch und Umwelt abgeht. Auf der einen Seite steht die zerstörerische Menschheit, auf der anderen eine zur Idylle verkitschte Natur, eine Wohlfühloase, in welcher alle Arten im Einklang miteinander leben. Wer dabei an den Garten Eden denkt – an biblischen Bezügen herrscht kein Mangel – liegt nicht falsch, denn tatsächlich erscheint die in den Kapseln konservierte Natur eher als Garten denn als Wildnis. Trumbulls Film ist damit blind für Gefahren, die aus der sogenannten Natur selbst kommen, und vergisst es allen politischen Ambitionen zum Trotz, die menschliche Spezies als Teil des Biosystems einzuordnen, die nicht nur aus ästhetisch-nostalgischen Gründen auf ihre Umwelt angewiesen ist. Propagiert wird damit weniger eine progressive Umweltpolitik als ein im wahrsten Wortsinn konservativer Naturschutz, der hauptsächlich am Erhalt gefährdeter Arten interessiert ist. All das macht Silent Running, der immer im Kontext der späten 60er-Jahre zu betrachten ist, nicht notwendigerweise zu einem schlechten Film. Jedoch muss der damals ausgesprochenen Warnung vor den Folgen der Naturbeherrschung heute noch eine weitere ergänzend hinzugefügt werden: Wer den Planeten retten will, sollte es sich dabei nicht zu einfach machen.

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