Hier werden Beiträge zu Literatur und Film veröffentlicht.
Warum ein Kunstwerk kritisieren, wenn man es auch einfach affirmativ auf sich wirken lassen kann? Kritik kann ungeheuer produktiv sein, nämlich dann, wenn sie sich nicht mit der Klassifikation von Kulturprodukten in sogenannte Hoch- oder Popkultur aufhält, wenn man stattdessen unter bewusstem Verzicht auf universelle Bewertungskriterien jedes Kunstwerk als mehr oder minder subversive Irritation verkalkter neuronaler Netze zulässt. Kritiken zu schreiben ist der Versuch, an dieser selbstverschuldeten Irritation nicht zugrunde zu gehen, also an die Dekonstruktion des Weltwissens mit einer neuerlichen Rekonstruktion anzuschließen. Wer auf der Suche nach einer Formel ist, welche die Qualität von Kunst quantitativ übersetzt, wird hier im besten Fall enttäuscht werden. Sternebewertungen bringen niemanden weiter. Auch werden hier keine im engeren Sinne wissenschaftlichen Texte veröffentlicht, sondern lediglich Interpretationsvorschläge gemacht. Dabei kann es sich auch um ziemlichen Quatsch handeln, aber wie schon der große Skeptiker Sportin‘ Life sang: „It ain’t necessarily so.“ Und wie das Känguru weiß, sind richtig und falsch ohnehin bürgerliche Kategorien.

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Hegels feuchter Traum? Auf Tauchgang mit Ursula K. Le Guins ‚The Lathe of Heaven‛ (1971)
Eine Qualle treibt im Ozean. So beginnt Ursula K. Le Guins Roman The Lathe of Heaven (in der deutschen Übersetzung: Die Geißel des Himmels), doch wer sich auf posthumanistische Quallen-Science…
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„We’re all in it together!“ Terry Gilliams ‚Brazil‛ (1985)
Jemand musste Mr. Buttle verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Tages verhaftet. So ließe sich die Geschichte aus der Perspektive des unschuldigen Familienvaters…
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Noch mehr Glaskuppeln! Dient die ikonische Gebäudeform in der dystopischen Science Fiction oft als Gefängnis totalitärer Kontrollgesellschaften (siehe Logan’s Run), so schließt Douglas Trumbull in seinem 1972 erschienenen Film Lautlos…


